Benin - In Etonhoué pulsiert die Verarbeitungsanlage im Rhythmus der Gesänge der Frauen und des Manioks. Das Eintauchen in einen lebendigen Alltag.
In der Ferne durchbricht das Brummen des Dreiradtransporters die Ruhe. In der Morgenhitze spitzen 15 der 46 Frauen, Mitglieder der Gruppierung Adrowe, die Ohren. Sie wechseln lächelnd Blicke: Die Lieferung ist da! Die Tür der brandneuen Verarbeitungsanlage öffnet sich. Maniok aus den umliegenden Feldern wird mit dumpfem Geräusch entladen. Die noch erdfeuchten Knollen rollen über den Boden. Schnell belebt sich der Raum. Gesänge erklingen und werden von sich abwechselnden Stimmen getragen. Auf dem Boden oder auf kleinen Hockern sitzend, machen sich die Frauen an die Arbeit. Unter ihren geschickten Fingern gibt die raue Schale des Manioks nach und enthüllt ein weisses, glattes und festes Inneres.
Nebenan tauchen zwei Mitglieder die Wurzeln ins Wasser. Das Plätschern begleitet ihre Bewegungen, das Wasser spült die Erdresten fort. Hier hat jede Geste ihren Platz, jeder Arbeitsschritt reiht sich präzise an den nächsten. Die Arbeit ist kollektiv, fliessend, fast choreografiert. Dann ist die motorisierte Reibe an der Reihe, deren lautes Geräusch die Gesänge ablöst, bevor die Masse anschliessend in eine Presse gegeben wird, um die Stärke herauszupressen. Danach wird der Prozess für einen Tag unterbrochen.
Am nächsten Tag sind die Mitglieder der Gruppierung bereits in der Morgendämmerung zurück. Kaum angekommen, entzünden sie die Feuer der vier verbesserten Kochstellen. Eine neue Etappe beginnt. Die am Vortag geriebene Maniokmasse muss geröstet werden, um überschüssige Feuchtigkeit zu entfernen und schliesslich Gari zu erhalten, dieses im Süden Benins sehr geschätzte Maniokmehl. Mit der Zeit verändern sich Textur und Farbe des Mehls. Sobald es abgekühlt ist, bleibt nur noch, die Produktion je nach Bestellung in Beutel oder Säcke zu verpacken. In nur drei Monaten hat die Verarbeitungsanlage von Etonhoué bereits 1,5 Tonnen Gari produziert, ein vielversprechendes Ergebnis.
Man ist heute weit entfernt von der Arbeit unter Bäumen oder den provisorischen Unterständen, die noch im vergangenen Jahr dominierten. Für Micheline Azandegba ist der Wandel radikal. „Die Verarbeitungsanlage, die Ausrüstung und die Schulungen haben uns in eine neue Ära katapultiert. Es ist eine wahre Freude, unseren Maniok besser verwerten zu können und gleichzeitig weniger Rückenschmerzen zu haben“, sagt sie lächelnd.
Xavier Mühlethaler

