Madagaskar - Während meinen Projektevaluierungsreisen stosse ich gelegentlich auf problematische Situationen. Diese Realitäten, die weit von den erhofften „Erfolgsgeschichten“ entfernt sind, werden dennoch zu Gelegenheiten, konkrete Lösungen zu identifizieren und umzusetzen.
Unsere Aufenthalte vor Ort bringen uns dazu, ein geschultes Auge zu entwickeln, um Missstände zu erkennen.
In Gasige, einem abgelegenen Dorf in den madagassischen Bergen, fiel mir der Zustand des Wasserreservoirs auf. Die Bewohner haben es nicht angemessen instandgehalten. Das Urteil war eindeutig: Dem Wasserkomitee fehlt es an Führungskompetenzen. Es ist dafür zuständig, die Nutzer zu mobilisieren, um die Wartung sicherzustellen, doch dies wurde nicht mit genügend Nachdruck durchgeführt. Seit fünf Jahren hält diese Situation an, und das Wasserreservoir verschlechtert sich weiter.
In diesem Fall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, paternalistische Haltungen zu vermeiden und den verschiedenen Protagonisten zuzuhören. Meine Aufgabe ist es, sie zu begleiten, damit sie sich der Konsequenzen dieser Situation bewusst werden. Ein ähnlicher Fall ereignete sich an der Zapfstelle der Schule in Ambohitsitakatra. Der verstopfte Abfluss drohte, ihn unbrauchbar zu machen.
Sobald ein Problem erkannt ist, ermutige ich immer zu einem schnellen Übergang zum konkreten Handeln. Nachdem wir die Situation besprochen und die notwendigen Werkzeuge zusammengestellt hatten, begannen wir vor Ort mit den Reparaturen. In nur 20 Minuten war das Reservoir von Gasige gereinigt und das Abflussrohr in Ambohitsitakatra wieder freigelegt. Es geht nicht darum, eine Vielzahl von Problemen zu lösen, sondern darum, sich zu organisieren und zur Tat zu schreiten. Auch Cicafe, unser strategischer Partner, nutzte meine Anwesenheit, um sensible Themen anzusprechen. Die Gespräche mit den Dorfbewohnern ermöglichen nachhaltige Fortschritte. Unser strategischer Partner wird in diese Dörfer zurückkehren, um die Begleitung weiterzuführen.
Lückenhafte Kenntnisse, geschwächtes Vertrauen oder wenig involvierte Schlüsselpersonen können Faktoren sein, die zu problematischen Situationen führen. Unsere Evaluierungsbesuche bieten eine Gelegenheit, diese zu erkennen. Sie liefern eine genaue Momentaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die gute Nachricht: Diese Situationen sind nicht festgefahren. Unsere Interventionen können ein Bewusstsein schaffen, das den Ausgangspunkt für eine Veränderung bildet. Ein nächster Besuch wird zeigen - oder nicht -, ob diese ersten Schritte Früchte getragen haben. Bis dahin verlasse ich Gasige und Ambohitsitakatra mit Hoffnung.
Xavier Mühlethaler
Übersetzt von Susanne Leparoux